Strong Angel Victoria erzählt Ihre Geschichte

Diagnose Brustkrebs

Ende 2016 habe ich in meiner linken Brust einen Knoten entdeckt. Da ich zu dieser Zeit noch gestillt habe, war eine feste Stelle nicht besonders ungewöhnlich. So gingen meine Ärztin und ich von einer verstopften Milchdrüse aus. Ich war erst einmal beruhigt. Doch auch nach dem Abstillen blieb der Knoten. Er ließ sich weder ausstreichen, noch löste er sich von allein auf. Nach einem erneuten Arztbesuch ging alles ziemlich schnell. Die Diagnose kam dann telefonisch an einem Donnerstag Abend. In diesem Moment ist meine Welt zusammengebrochen. Mein altes Ich und mein altes Leben sind gestorben. In den ersten Stunden hat es sich so angefühlt, als hätte mir jemand eine Last übertragen, die ich nicht tragen kann. Als würde ich einfach zerdrückt werden.

Ab dem nächsten Tag war ich im Organisations-Strudel: unzählige Arzttermine, Untersuchungen und OPs. Bereits anderthalb Wochen nach der Diagnose hing ich zum ersten Mal für 6 Stunden an der Nadel: Chemotherapie. Die folgenden Monate wurden von den verschiedenen Therapien und Operationen bestimmt. Im Nachhinein war es wie in einem Film, in dem ich mitgespielt habe. Alles lief vorbei und sehr oft war ich einfach nicht ich, aus Angst den Schmerz zu fühlen.

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Angst vs. Hoffnung 

Vom Tag der Diagnose an hatte ich Angst. Es gab einen kleinen aber starken Funken in mir, der wusste, dass es keine Option ist zu sterben. Diese Möglichkeit existiert einfach nicht. Ich habe einen Mann, 2 kleine Kinder, eine große Familie und tolle Freunde. Mit ihrer Kraft und Unterstützung und auch für sie überstand ich die folgenden Monate. Die Therapie hatte für mich auch nichts mit kämpfen zu tun – vielmehr ging es um akzeptieren und loslassen. Denn in dem Moment, in dem ich aufgehört habe, mir zu wünschen, dass das alles nicht passiert wäre und angefangen habe, die Krankheit zu akzeptieren, habe ich den Raum für meine Heilung geöffnet.

Auf dem Weg der Heilung haben mich meine Familie und Freunde unglaublich unterstützt. Eine positive Seite dieser Krankheit ist, dass man merkt, wie sehr man geliebt wird. Und es wird einem bewusst, wie viele wahnsinnig tolle Menschen es gibt, die einfach immer für einen da sind. Genauso wichtig wie dieser Rückhalt war für mich aber auch der Kontakt in die “reale” Welt. Zu Menschen in meiner weiteren Umgebung, die nichts von der Krankheit wussten und mich weiterhin ganz normal behandelt haben. (Meine haarlose Phase war während eines kalten Winters. Mit Mütze und Schal konnte ich mich also auch mal gut tarnen.)

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Warum Muddy Angel Run?

Seit einigen Jahren laufe ich regelmäßig, auch bei der einen oder anderen Laufveranstaltung. Auch während der Therapie habe ich mich so oft es ging, an der frischen Luft bewegt. Außerdem habe ich nach meiner Erkrankung angefangen zu schreiben. Dies vor allem auf meinem Blog www.im-herz-barfuss.de. Mit dem Ziel anderen betroffenen Frauen Mut zu machen und die Krankheit auch als Chance für einen Neubeginn zu sehen. Als ich dann vom Muddy Angel Run erfahren habe, war ich sofort begeistert. Dieser Lauf kombiniert meine Leidenschaft für Bewegung mit dem Ziel, anderen Frauen zu helfen und das Bewusstsein für Brustkrebs zu erhöhen.

Ich bin bei dem Muddy Angel Run in Stadtoldendorf (“Mitten in Deutschland”) mitgelaufen. Meine Erwartungen an diesen Event wurden sogar noch übertroffen. Ich habe selten so viel Spaß und Liebe füreinander bei einem Lauf erlebt. Ich kann diese Laufserie wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen, egal wie fit oder unfit du gerade bist. Und auch ich werde 2019 wieder an den Start gehen.

Was ich Frauen mit auf den Weg der Brustkrebs-Therapie geben würde

Allgemeine Hinweise und Tipps in einer solch schockierenden Situation wie nach der Diagnose Brustkrebs finde ich immer etwas schwierig. Zu unterschiedlich sind die Frauen, die Diagnosen und die Lebensumstände. Viel wichtiger als irgendwelche Regeln zu Ernährung, Sport und Verhalten finde ich eins: Höre auf dich selbst. Höre auf dein Herz. Höre auf deine Seele. Du trägst deine ganz persönliche Wahrheit bereits in dir. Und diese ist immer richtig. Wenn du ein komisches Gefühl bei irgendeiner Therapie hast: Habe den Mut das zu äußern. Kümmere dich um dich selbst und nur um dich. Das ist jetzt die Hauptsache.

Was ich der Welt sonst noch mitteilen möchte

Seht jede Form der Krankheit, nicht nur Krebs, als eine Einladung, als eine offene Tür. Habt den Mut, durch diese Tür zu gehen. Den dahinter könnte, wie bei mir, ein ganz neues Leben auf euch warten.

fckcancer & namaste,

eure Vic

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